Fußballregeln - 2011/2012
Regel 12 - Verbotenes Spiel und unsportliches
Betragen
Fouls und unsportliches Betragen sind in der nachstehend beschriebenen Form zu ahnden:
Direkter Freistoß
Ein Spieler verursacht einen direkten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er eines der nachfolgend aufgeführten sieben Vergehen nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz begeht:
- einen Gegner tritt oder versucht, ihn zu treten,
- einem Gegner das Bein stellt oder es versucht,
- einen Gegner anspringt,
- einen Gegner rempelt,
- einen Gegner schlägt oder versucht, ihn zu schlagen,
- einen Gegner stößt,
- einen Gegner bedrängt.
Dem gegnerischen Team wird ebenfalls ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler eines der nachfolgenden drei Vergehen begeht:
- einen Gegner hält,
- einen Gegner anspuckt,
- den Ball absichtlich mit der Hand spielt (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum).
Der direkte Freistoß wird an der Stelle ausgeführt, an der sich das Vergehen ereignete (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
Strafstoß
Begeht ein Spieler des verteidigenden Teams eines der genannten zehn Vergehen im eigenen Strafraum, ist dies durch einen Strafstoß zu ahnden, vorausgesetzt, der Ball war im Spiel. Dabei ist unerheblich, wo sich der Ball zum Zeitpunkt des Vergehens befand.
Indirekter Freistoß
Ein Torwart verursacht einen indirekten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er innerhalb seines Strafraums eines der folgenden vier Vergehen begeht:
- Er hält den Ball mehr als sechs Sekunden lang in seinen Händen, bevor er ihn für das Spiel freigibt.
- Nachdem er den Ball freigegeben hat, berührt er ihn erneut mit der Hand, bevor ein anderer Spieler den Ball berührt hat.
- Er berührt den Ball, den ihm ein Mitspieler mit dem Fuß absichtlich zugespielt hat, mit der Hand.
- Er berührt den Ball, den er direkt von einem Einwurf eines Mitspielers erhalten hat, mit der Hand.
Außerdem verursacht ein Spieler einen indirekten Freistoß für das gegnerische Team, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters
- gefährlich spielt,
- den Lauf des Gegners behindert,
- den Torwart daran hindert, den Ball aus seinen Händen freizugeben,
- ein anderes Vergehen begeht, das nicht bereits in Regel 12 erwähnt wird und für das die Partie unterbrochen wird, damit der fehlbare Spieler verwarnt oder des Feldes verwiesen werden kann.
Der indirekte Freistoß wird an der Stelle ausgeführt, an der sich das Vergehen ereignete (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
Disziplinarmaßnahmen
Die Gelbe Karte zeigt an, dass ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler verwarnt wird.
Die Rote Karte zeigt an, dass ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler des Feldes verwiesen wird.
Rote oder Gelbe Karten können nur einem Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselten Spieler gezeigt werden.
Disziplinarstrafen darf der Schiedsrichter vom Betreten des Spielfelds bis zum Verlassen des Feldes nach dem Schlusspfiff aussprechen.
Wenn sich ein Spieler inner- oder außerhalb des Spielfelds eines verwarnungs- oder feldverweiswürdigen Vergehens gegenüber einem Gegner, Mitspieler, Schiedsrichter, Schiedsrichter-Assistenten oder einer anderen Person schuldig macht oder beleidigende oder schmähende Äußerungen gebraucht, wird er gemäß Schwere des Vergehens bestraft.
Verwarnungswürdige Vergehen
Ein Spieler erhält eine Gelbe Karte und wird verwarnt, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht:
- unsportliches Betragen,
- Protestieren/Reklamieren durch Worte oder Handlungen,
- wiederholtes Verstoßen gegen die Spielregeln,
- Verzögerung der Wiederaufnahme des Spiels,
- Ignorieren des vorgeschriebenen Abstands bei Eckstoß, Freistoß oder Einwurf,
- (Wieder-)Betreten des Spielfelds ohne Erlaubnis des Schiedsrichters,
- absichtliches Verlassen des Spielfelds ohne Erlaubnis des Schiedsrichters.
Ein Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler wird verwarnt, wenn er eines der folgenden drei Vergehen begeht:
- unsportliches Betragen,
- Protestieren/Reklamieren durch Worte oder Handlungen,
- Verzögerung der Wiederaufnahme des Spiels.
Feldverweiswürdige Vergehen
Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler erhält die Rote Karte und wird des Feldes verwiesen, wenn er eines der folgenden sieben Vergehen begeht:
- grobes Foulspiel,
- Tätlichkeit,
- Anspucken eines Gegners oder einer anderen Person,
- Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners durch absichtliches Handspiel (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum),
- Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoß oder Strafstoß zu ahnden ist,
- anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden,
- zweite Verwarnung im selben Spiel.
Ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler, der des Feldes verwiesen wird, muss die Umgebung des Spielfelds und die Technische Zone verlassen.
Auslegung der Spielregeln und Richtlinien der FIFA für Schiedsrichter
Grundvoraussetzungen für ein Foulspiel
Damit ein Vergehen als Foulspiel gewertet wird, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
- Das Foulspiel wurde von einem Spieler begangen.
- Das Foulspiel erfolgte auf dem Spielfeld.
- Das Foulspiel erfolgte bei laufendem Spiel.
Hat der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen, weil es außerhalb des Spielfelds (bei laufendem Spiel) zu einem Vergehen gekommen ist, wird die Partie mit einem Schiedsrichter-Ball an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand. Wurde das Spiel innerhalb des Torraums unterbrochen, erfolgt der Schiedsrichter-Ball auf der Torraumlinie parallel zur Torlinie so nahe wie möglich bei der Stelle, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand.
Fahrlässigkeit, Rücksichtslosigkeit, übermäßige Härte
„Fahrlässigkeit“ liegt vor, wenn ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht.
- „Fahrlässige" Fouls ziehen keine disziplinarische Maßnahme nach sich.
„Rücksichtslosigkeit“ liegt vor, wenn ein Spieler ohne jede Rücksicht auf die Gefahr oder die Folgen seines Einsteigens für seinen Gegner vorgeht.
- „Rücksichtslose“ Fouls ziehen eine Verwarnung nach sich.
„Übermäßige Härte“ liegt vor, wenn ein Spieler übertrieben hart in einen Zweikampf geht und die Verletzung des Gegners in Kauf nimmt.
- „Übermäßige Härte“ zieht einen Feldverweis nach sich.
Zweikampf
Als Zweikampf gilt der Kampf um Raum in Ballnähe mit Körperkontakt, jedoch ohne den Einsatz von Armen und Ellbogen.
Im Zweikampf als unzulässig und als Vergehen gelten
- Fahrlässigkeit,
- Rücksichtslosigkeit,
- übertriebene Härte.
Halten eines Gegners
Halten liegt vor, wenn ein Spieler seinen Gegner durch den Einsatz von Händen oder Armen oder durch sonstigen Körpereinsatz daran hindert, an ihm vorbei oder um ihn herumzulaufen.
Die Schiedsrichter sind angewiesen, das Zurückhalten von Gegenspielern frühzeitig zu ahnden und entschlossen durchzugreifen, insbesondere im Strafraum bei Eck- und Freistößen.
Der Schiedsrichter hat folgende Möglichkeiten:
- Er ermahnt Spieler, die einen Gegner halten, bevor der Ball gespielt wird.
- Er verwarnt Spieler, die ihren Gegner nach einer Ermahnung weiter halten.
- Er entscheidet auf direkten Freistoß oder Strafstoß, falls das Vergehen erfolgte, nachdem der Ball gespielt worden war.
Wenn ein Verteidiger einen Angreifer außerhalb des Strafraums zu halten beginnt, ihn jedoch bis in den Strafraum weiter festhält, entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoß.
Disziplinarmaßnahmen
- Hält ein Spieler einen Gegner fest und hindert ihn so daran, in Ballbesitz zu gelangen oder eine günstige Position einzunehmen, wird er wegen unsportlichen Betragens verwarnt.
- Nimmt ein Spieler dem gegnerischen Team durch Zurückhalten eines Gegners eine klare Torchance, wird er des Feldes verwiesen.
- In allen übrigen Situationen zieht das Halten eines Gegners keine disziplinarischen Maßnahmen nach sich.
Spielfortsetzung
- Direkter Freistoß am Ort des Vergehens (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung) oder Strafstoß bei Halten im Strafraum.
Handspiel
Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf
- die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand),
- die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel),
- die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen.),
- das Berühren des Balls durch einen Gegenstand in der Hand des Spielers (Kleidung, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt,
- das Treffen des Balls durch einen geworfenen Gegenstand (Schuh, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt.
Disziplinarmaßnahmen
Unter gewissen Umständen sind Spieler bei einem Handspiel wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, z. B. wenn der Spieler
- durch ein absichtliches, klares Handspiel verhindert, dass der Gegner in Ballbesitz gelangt,
- versucht, durch ein absichtliches Handspiel ein Tor zu erzielen. Verhindert ein Spieler durch ein absichtliches Handspiel ein Tor oder eine klare Torchance des gegnerischen Teams, wird er des Feldes verwiesen. Grund für diese Strafe ist nicht das absichtliche Handspiel an sich, sondern die Tatsache, dass durch eine unerlaubte und unfaire Aktion ein Gegentor verhindert wurde.
Spielfortsetzung
- Direkter Freistoß am Ort des Vergehens (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung) oder Strafstoß.
Für den Torhüter gelten bei Handspiel außerhalb des Strafraums die gleichen Regeln wie für alle übrigen Spieler. Berührt der Torhüter den Ball innerhalb des Strafraums mit der Hand, kann deswegen weder ein direkter Freistoß noch eine Strafe gegen ihn ausgesprochen werden. Indirekte Freistöße aufgrund anderer Vergehen des Torhüters sind jedoch möglich.
Vergehen des Torhüters
Der Torhüter darf den Ball nicht länger als sechs Sekunden in den Händen halten. Der Torhüter hält den Ball in den Händen, wenn er
- den Ball mit beiden Händen festhält oder ihn mit einer Hand gegen eine Oberfläche hält (z. B. am Boden, gegen den eigenen Körper),
- den Ball in der ausgestreckten offenen Hand hält,
- den Ball auf den Boden prellt oder ihn in die Luft wirft.
Hat der Torhüter den Ball mit seinen Händen in Besitz gebracht, darf er von einem Gegenspieler nicht angegriffen werden.
Der Torhüter darf den Ball im eigenen Strafraum in folgenden Fällen nicht mit der Hand berühren:
- Er hat den Ball freigegeben, ohne dass dieser von einem anderen Spieler berührt wurde.
- Der Torhüter ist im Besitz des Balls, wenn er ihn irgendwie mit der Hand oder dem Arm berührt. Dies gilt nicht, wenn der Ball zufällig vom Torhüter wegspringt, z. B. nach einer Parade.
- Als Ballbesitz durch den Torhüter gilt auch, wenn der Torhüter den Ball absichtlich von der Hand oder vom Arm abprallen lässt.
- Ein Mitspieler hat ihm den Ball mit dem Fuß absichtlich zugespielt.
- Er hat den Ball direkt von einem Einwurf eines Mitspielers erhalten.
Spielfortsetzung
- Indirekter Freistoß am Ort des Vergehens (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
Vergehen gegen Torhüter
- Hindert ein Spieler den Torhüter daran, den Ball aus seinen Händen abzuspielen, gilt dies als Vergehen.
- Tritt ein Spieler den Ball oder versucht er, den Ball zu treten, während der Torhüter diesen abspielen möchte, wird der Spieler bestraft.
- Das Behindern des Torhüters durch unfaires Bedrängen, z. B. bei einem Eckstoß, gilt als Vergehen.
Gefährliches Spiel
Als gefährliches Spiel gilt jede Aktion beim Spielen des Balls, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers selbst), die sich in der Nähe eines Gegners zuträgt und diesen aus Angst vor einer Verletzung daran hindert, den Ball zu spielen.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern nach Ansicht des Schiedsrichters dadurch kein Gegenspieler gefährdet wird.
Gefährliches Spiel kann nur dann vorliegen, wenn kein Körperkontakt zwischen den Spielern erfolgt. Kommt es jedoch zum Körperkontakt, gilt die Aktion als Vergehen und wird mit einem direkten Freistoß oder Strafstoß geahndet. Bei gefährlichem Spiel mit Körperkontakt hat der Schiedsrichter zudem zu prüfen, ob auch eine Unsportlichkeit vorliegt.
Disziplinarmaßnahmen
- Gefährliches Spiel im Rahmen eines „normalen“ Zweikampfs zieht keine Disziplinarmaßnahme nach sich. Nimmt der fehlbare Spieler bei seiner Aktion eine Verletzung des Gegners in Kauf, wird er vom Schiedsrichter verwarnt.
- Verhindert ein Spieler durch gefährliches Spiel eine klare Torchance, wird er vom Schiedsrichter des Feldes verwiesen.
Spielfortsetzung
- Indirekter Freistoß am Ort des Vergehens (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Bei Körperkontakt liegt ein anderes Vergehen vor, das mit einem direkten Freistoß oder Strafstoß geahndet wird.
Behindern des Gegners
Behinderung des Gegners liegt vor, wenn sich ein Spieler in den Weg eines Gegenspielers stellt und ihn dadurch auflaufen lässt, zum Abbremsen oder zu einer Richtungsänderung zwingt, wobei sich der Ball für beide Spieler außer Reichweite befindet.
Jeder Spieler darf seine Position auf dem Feld selbst bestimmen. Er darf dem Gegner zwar im Weg stehen, ihm jedoch nicht in den Weg treten.
Das Abschirmen des Balls ist gestattet. Schirmt ein Spieler, der den Ball in spielbarer Distanz kontrolliert, diesen aus taktischen Gründen vor einem Gegner ab, ohne dass er dazu seine Arme oder seinen Körper benutzt, liegt kein Vergehen vor. Befindet sich der Ball in spielbarer Distanz, darf der Spieler vom Gegner regelkonform angegriffen werden.
Verzögerung der Spielfortsetzung wegen Gelber oder Roter Karte
Entscheidet sich der Schiedsrichter, einen Spieler zu verwarnen oder des Feldes zu verweisen, wird die Partie erst nach Zeigen der Gelben oder Roten Karte fortgesetzt.
Verwarnung für unsportliches Betragen
Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er
- eines der sieben Vergehen, die mit einem direkten Freistoß geahndet werden, rücksichtslos begeht,
- zur Unterbindung oder Verhinderung eines vielversprechenden Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht,
- einen Gegner zurückhält, um ihn dadurch vom Ball zu trennen oder um zu verhindern, dass der Gegner in Ballbesitz gelangt,
- den Ball mit der Hand spielt, damit der Gegner nicht in Ballbesitz gelangen oder einen Gegenstoß ausführen kann (gilt nicht für den Torhüter im eigenen Strafraum),
- versucht, durch ein Handspiel ein Tor zu erzielen (dabei ist unerheblich, ob der Versuch erfolgreich war. Der Versuch alleine gilt als Unsportlichkeit.),
- versucht, den Schiedsrichter durch das Simulieren einer Verletzung oder eines angeblichen Fouls (Schwalbe) zu täuschen,
- während des Spiels ohne Erlaubnis des Schiedsrichters seinen Platz mit dem Torhüter tauscht,
- sich gegenüber dem Spiel respektlos verhält,
- beim Verlassen des Spielfelds den Ball tritt, nachdem er die Erlaubnis erhalten hat, das Spielfeld zu verlassen,
- einen Gegner während des Spiels oder davor verbal ablenkt,
- unerlaubte Markierungen auf dem Spielfeld anbringt,
- bei einem Rückpass zum eigenen Torhüter den Ball absichtlich auf unkonventionelle Art mit dem Kopf, der Brust oder dem Knie spielt, um die Rückpassregel zu umgehen. Dabei ist unerheblich, ob der Torhüter den Ball anschließend mit der Hand berührt oder nicht. Die Aktion wird als Vergehen geahndet, weil der Spieler damit Sinn und Geist von Regel 12 untergräbt. Die Partie wird mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt,
- bei der Ausführung eines direkten Freistoßes den Ball auf unkonventionelle Art zum eigenen Torhüter zurückspielt und damit die Rückpassregel umgeht. Der Spieler wird verwarnt und der Freistoß wiederholt.
Torjubel
Zwar ist es einem Spieler erlaubt, seiner Freude nach einem Treffer Ausdruck zu verleihen, doch darf der Torjubel nicht übertrieben werden.
Die FIFA gestattet Torjubel in angemessenem Rahmen. Zu unterbinden sind jedoch „choreografierte“ Jubelszenen, wenn dadurch zu viel Zeit verloren geht. Die Schiedsrichter sind angewiesen, in solchen Fällen einzuschreiten.
Ein Spieler wird verwarnt, wenn er:
- nach Meinung des Schiedsrichters mit provozierenden, höhnischen oder aufhetzenden Gesten jubelt,
- an einem Zaun hochklettert, um einen Treffer zu feiern,
- sein Hemd über seinen Kopf auszieht oder es ganz oder teilweise über seinen Kopf stülpt,
- Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.
Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist an sich noch kein verwarnungswürdiges Vergehen, doch sind die Spieler gehalten, so rasch wie möglich auf das Feld zurückzukehren.
Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie in solchen Situationen präventiv auf die Spieler einwirken und bei der Beurteilung des Torjubels gesunden Menschenverstand walten lassen.
Reklamieren/Protestieren
Zeigt sich ein Spieler mit einer Schiedsrichter-Entscheidung nicht einverstanden, indem er protestiert (verbal/nonverbal), wird er vom Schiedsrichter verwarnt.
Der Kapitän genießt in Bezug auf die Spielregeln weder einen Sonderstatus noch besondere Privilegien, trägt aber eine gewisse Verantwortung für das Verhalten seines Teams.
Verzögerung der Wiederaufnahme des Spiels
Der Schiedsrichter verwarnt jeden Spieler, der die Spielfortsetzung verzögert, indem er
- einen Freistoß absichtlich an der falschen Stelle ausführt, um damit den Schiedsrichter zu zwingen, die Ausführung wiederholen zu lassen,
- einen Einwurf vorbereitet, dann aber plötzlich den Ball einem Mitspieler überlässt,
- nach einer Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter den Ball wegspielt oder ihn mit den Händen wegträgt,
- die Ausführung eines Einwurfs oder eines Freistoßes unnötig verzögert,
- bei seiner Auswechslung das Spielfeld absichtlich langsam verlässt,
- eine Auseinandersetzung provoziert, indem er den Ball absichtlich in die Hand nimmt, nachdem der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen hat.
Wiederholtes Verstoßen gegen die Spielregeln
Die Schiedsrichter sollten stets auf Spieler achten, die wiederholt gegen die Spielregeln verstoßen. Dabei sollten sie sich insbesondere bewusst sein, dass auch Spieler, die verschiedene Vergehen begehen, wegen wiederholten Verstoßens gegen die Spielregeln verwarnt werden müssen.
Wie viele Vergehen erforderlich sind, um einen Spieler wegen wiederholten Verstoßens gegen die Spielregeln zu verwarnen, ist Ermessenssache. Die Beurteilung eines möglichen Verhaltensmusters muss immer im Sinne einer optimalen Spielleitung erfolgen.
Grobe Fouls
Ein Spieler begeht ein grobes Foul, wenn er bei laufendem Spiel im Kampf um den Ball übermäßig hart oder brutal in einen Zweikampf einsteigt.
Gefährdet ein Spieler in einem Zweikampf die Gesundheit seines Gegners, ist dies als grobes Foul zu ahnden.
Ein Spieler, der im Kampf um den Ball von vorne, von der Seite oder von hinten mit einem oder beiden Beinen in einen Gegenspieler hineinspringt und durch übertriebene Härte die Gesundheit des Gegners gefährdet, begeht ein grobes Foul.
Bei groben Fouls wird nicht auf Vorteil entschieden, es sei denn, im Anschluss an die Szene ergibt sich eine klare Torchance. Der Schiedsrichter zeigt dem fehlbaren Spieler bei der nächsten Spielunterbrechung die Rote Karte.
Grobe Fouls werden mit einem Feldverweis geahndet. Die Partie wird mit einem direkten Freistoß an der Stelle, an der sich das Vergehen ereignete (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung), oder mit einem Strafstoß fortgesetzt (falls sich das grobe Foul im Strafraum des betreffenden Spielers ereignete).
Tätlichkeit
Eine Tätlichkeit liegt vor, wenn ein Spieler einen Gegner abseits des Balls übermäßig hart oder brutal attackiert.
Als Tätlichkeit gelten auch übertriebene Härte oder Gewalt gegen eigene Mitspieler, Zuschauer, Spieloffizielle oder sonstige Personen.
Zu Tätlichkeiten kann es auf oder neben dem Spielfeld und bei laufendem oder unterbrochenem Spiel kommen.
Bei einer Tätlichkeit wird nicht auf Vorteil entschieden, es sei denn, im Anschluss an die Szene ergibt sich eine klare Torchance. Der Schiedsrichter zeigt dem fehlbaren Spieler bei der nächsten Spielunterbrechung die Rote Karte.
Tätlichkeiten können oft in einen Tumult ausarten, weshalb die Schiedsrichter angewiesen sind, präventiv einzugreifen.
Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselte Spieler, die eine Tätlichkeit begehen, werden des Feldes verwiesen.
Spielfortsetzung
- Bei unterbrochenem Spiel wird die Partie gemäß der vorangegangenen Entscheidung fortgesetzt.
- Bei laufendem Spiel und einer Tätlichkeit außerhalb des Spielfelds gilt:
- Befindet sich der Spieler beim Begehen der Tätlichkeit bereits außerhalb des Spielfelds, wird die Partie mit einem Schiedsrichter-Ball an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand. Wurde das Spiel innerhalb des Torraums unterbrochen, erfolgt der Schiedsrichter-Ball auf der Torraumlinie parallel zur Torlinie so nahe wie möglich bei der Stelle, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand.
- Verlässt der betreffende Spieler für die Tätlichkeit das Spielfeld, ist die Partie mit einem indirekten Freistoß an der Stelle fortzusetzen, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Spielunterbrechung befand (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Bei laufendem Spiel und einer Tätlichkeit auf dem Spielfeld gilt:
- Bei einer Tätlichkeit an einem Gegenspieler wird die Partie mit einem direkten Freistoß an der Stelle, an der sich das Vergehen ereignete (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung), oder mit einem Strafstoß fortgesetzt (falls sich die Tätlichkeit im Strafraum des betreffenden Spielers ereignete).
- Bei einer Tätlichkeit an einem Mitspieler wird die Partie mit einem indirekten Freistoß am Ort des Vergehens fortgesetzt (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Bei einer Tätlichkeit an einem Auswechselspieler oder einen ausgewechselten Spieler wird die Partie mit einem indirekten Freistoß an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Spielunterbrechung befand (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Bei einer Tätlichkeit am Schiedsrichter oder einem Schiedsrichter-Assistenten wird die Partie mit einem indirekten Freistoß an der Stelle des Vergehens fortgesetzt (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Bei einer Tätlichkeit an einer sonstigen Person wird die Partie mit einem Schiedsrichter-Ball an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand. Wurde das Spiel innerhalb des Torraums unterbrochen, erfolgt der Schiedsrichter-Ball auf der Torraumlinie parallel zur Torlinie so nahe wie möglich bei der Stelle, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Unterbrechung befand.
Vergehen durch Werfen von Gegenständen (inkl. Ball)
Wirft ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler bei laufendem Spiel rücksichtslos einen Gegenstand auf einen Gegner oder eine andere Person, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und verwarnt den betreffenden Spieler.
Wirft ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler bei laufendem Spiel mit übermäßiger Härte einen Gegenstand auf einen Gegner oder eine andere Person, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und verweist den betref fenden Spieler wegen einer Tätlichkeit des Feldes.
Spielfortsetzung
- Wirft ein Spieler im eigenen Strafraum einen Gegenstand auf einen Gegner außerhalb des Strafraums, wird die Partie mit einem direkten Freistoß für den Gegner an der Stelle fortgesetzt, an der das Objekt den Gegner getroffen hat oder hätte.
- Wirft ein Spieler außerhalb des eigenen Strafraums einen Gegenstand auf einen Gegner, der sich im Strafraum befindet, entscheidet der Schiedsrichter auf Strafstoß.
- Wirft ein Spieler auf dem Spielfeld einen Gegenstand auf eine Person außerhalb des Spielfelds, wird die Partie mit einem indirekten Freistoß an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Spielunterbrechung befand (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
- Wirft ein Spieler außerhalb des Spielfelds einen Gegenstand auf einen Gegner auf dem Spielfeld, wird die Partie mit einem direkten Freistoß für den Gegner an der Stelle, an der das Objekt den Gegner getroffen hat oder hätte, oder einem Strafstoß (falls der Gegner innerhalb des eigenen Strafraums getroffen wurde) fortgesetzt.
- Wirft ein Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler außerhalb des Spielfelds einen Gegenstand auf eine Person auf dem Spielfeld, wird die Partie mit einem indirekten Freistoß für den Gegner an der Stelle fortgesetzt, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Spielunterbrechung befand (siehe Regel 13 - Ort der Freistoßausführung).
Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer Torchance
Das Verhindern einer eindeutigen Torchance des gegnerischen Teams wird mit einem Feldverweis bestraft. Dabei ist unerheblich, ob das Vergehen im Strafraum erfolgte oder nicht.
Entscheidet der Schiedsrichter bei einer klaren Torchance auf Vorteil und entsteht daraus direkt ein Tor, obwohl ein Gegner den Ball mit der Hand gespielt oder einen angreifenden Spieler gefoult hat, kann der betreffende Spieler nicht des Feldes verwiesen, sondern lediglich verwarnt werden.
Die Schiedsrichter sind angewiesen, beim Entscheid über einen Feldverweis für das Verhindern eines Tors oder das Vereiteln einer Torchance folgende Aspekte zu berücksichtigen:
- Distanz zwischen Vergehen und Tor
- Wahrscheinlichkeit, dass das angreifende Team in Ballbesitz bleibt oder kommt
- Richtung des Spiels
- Position und Anzahl verteidigender Spieler
- Art des Vergehens, durch das eine klare Torchance vereitelt wird, da dieses mit einem direkten oder indirekten Freistoß geahndet werden kann
Anweisungen des DFB
- Jeder Spieler, der den Schiedsrichter angreift oder beleidigt, wird des Feldes verwiesen.
- Jeder Spieler, der gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung protes tiert, wird verwarnt.
- Greift ein Spieler einen Mannschaftskameraden, den Schiedsrichter, einen Schiedsrichter-Assistenten, einen Zuschauer usw. an, so gilt dies ebenfalls als gewaltsames Spiel.
- Wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft wegen Tretens oder Schlagens eines Gegners innerhalb des Strafraumes vom Spielfeld gewiesen wird, muss der Schiedsrichter außerdem noch einen Strafstoß verhängen, wenn sich der Ball im Spiel befand.
- Das Anspucken eines Spielers und der Versuch sind gleich (direkter Freistoß, Feldverweis) zu bestrafen.
- Wird ein bereits verwarnter Spieler während eines Spieles in Folge einer zweiten Verwarnung des Feldes verwiesen, muss der Schiedsrichter ihm zuerst die Gelbe Karte und unmittelbar danach die Rote Karte zeigen. (Damit soll deutlich signalisiert werden, dass der Feldverweis aufgrund des zweiten verwarnungswürdigen Verstoßes und nicht etwa aufgrund eines Verstoßes, der einen sofortigen Ausschluss zur Folge gehabt hätte, ausgesprochen wurde.)
- Wenn ein Schiedsrichter im Begriff ist, einen Spieler zu verwarnen, und dieser Spieler, ehe die Verwarnung ausgesprochen ist, einen weiteren Verstoß begeht, der eine Verwarnung nach sich zieht, so muss der Spieler mit „Gelb-Rot“ des Feldes verwiesen werden (zunächst „Gelb“, dann „Gelb-Rot“).
- Wenn nach Meinung des Schiedsrichters ein Torwart sich länger als notwendig auf den Ball legt, macht er sich unsportlichen Betragens schuldig.
- Der Torhüter ist mit der Roten Karte des Feldes zu verweisen, wenn er außerhalb seines Strafraumes den Ball absichtlich mit den Händen spielt und so eine klare Tormöglichkeit zunichte macht oder einen offensichtlichen Torerfolg verhindert.
- Das unabsichtliche Ablenken des Balles mit dem Fuß oder den Füßen (der Ball wird von einem Mannschaftskollegen des Torhüters ungewollt abgefälscht oder nicht richtig getroffen) ist kein Rückpass im Sinne der Regel.
- Situationen, in welchen der Ball von einem Mannschaftskollegen mit dem Fuß zwar nicht direkt in Richtung des Torhüters, jedoch absichtlich so gespielt wird (beispielsweise neben das Tor), dass der Torhüter den Ball annehmen kann, sind im Sinne dieser Regel als absichtliche Rückpässe an den Torhüter zu werten. Berührt der Torwart in solchen Fällen den Ball mit den Händen, ist ein indirekter Freistoß zu verhängen. Ein indirekter Freistoß ist auch dann zu verhängen, wenn ein Mitspieler des Torhüters den Ball mit dem Fuß absichtlich stoppt und der Torhüter diesen Ball mit der Hand berührt.
- Ein Verstoß gegen die Spielregel liegt ebenfalls vor, wenn sich ein Spieler beim Eckstoß vor den Torhüter stellt, um diesen dadurch zu behindern, bevor der Eckstoß ausgeführt und der Ball im Spiel ist.
- Ein Spieler ist in Ballbesitz, auch wenn er den Ball aus taktischen Gründen deckt, ihn aber nicht berührt, er jedoch in Spielnähe bleibt. Wenn er dabei den Gegner hindert, ihn also sperrt, ist dies keine Regelübertretung. Der ballführende Spieler darf nun korrekt gerempelt werden.
- Wenn ein Spieler seine Arme ausstreckt, um einen Gegner zu stören, von einer Seite auf die andere tritt, seine Arme auf und ab bewegt, um ihn zu behindern und zu zwingen, die Richtung zu ändern, ihn dabei aber körperlich nicht berührt, hat der Schiedsrichter den Spieler wegen unsportlichen Verhaltens zu verwarnen und einen indirekten Freistoß anzuordnen.
- Wenn der Spieler nach Spielbeginn in seine Mannschaft eintritt, hat er sich beim Schiedsrichter zu melden. Dies ist so zu verstehen, dass er von der Seitenlinie aus die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters auf sich zu lenken hat. Das Zeichen des Schiedsrichters soll durch eine eindeutige Geste gegeben werden, die dem Spieler verständlich macht, dass er das Spielfeld betreten darf. Es ist nicht notwendig, dass der Schiedsrichter bis zu einer Spielunterbrechung wartet. (Diese Be stim mung ist nicht auf den in der Regel 4 vorgesehenen Fall anwendbar.) Nur ihm steht es zu, den Zeitpunkt zu bestimmen, wann er das Zeichen seines Einverständnisses geben will.
- Der Torwart darf im Torraum nicht gerempelt werden, außer er hält den Ball oder hindert einen Gegner.
- Schlägt ein Spieler einen Gegenspieler, ist der Tatort, wo der Spieler getroffen wurde (Kontaktvergehen). Wirft ein Spieler einen Gegenstand an den Körper eines Gegenspielers, ist der Tatort, wo der Spieler getroffen wurde (oder hätte getroffen werden sollen - Wurfvergehen).
- Betritt ein Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler unerlaubt das Spielfeld und erreicht durch das Wegspielen des Balles, dass ein Tor verhindert wird, so gibt es einen indirekten Freistoß an der Stelle, wo bei der Unterbrechung der Ball war und der Spieler wird lediglich verwarnt.
- Betritt ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler ohne Erlaubnis des Schiedsrichters das Spielfeld und begeht ein weiteres verwarnungswürdiges Vergehen, so ist dieser Spieler mit „Gelb-Rot“ des Feldes zu verweisen. (Erst wird „Gelb“, anschließend „Gelb-Rot“ gezeigt.)
Weiterführende Links
Ubbo Voss - Ein Schiedsrichterlehrwart berät