„I'm a German record player“

Lösung 2

Die Anweisung im Regelheft spricht eher dafür, den Übeltäter nach einem indirekten Freistoß wegen Torraubs mit einer Verwarnung zu bestrafen.

In dieser kniffligen Situation weiß der findige Schiedsrichter natürlich Rat und wirft einen Blick in die »FIFA - Laws of the Game«. Dort findet er unter »Interpretation of the Laws of the Game and Guidelines for Referees« das Kapitel »LAW 12 – FOULS AND MISCONDUCT« und dort unter der Überschrift »Denying a goal or an obvious goalscoring opportunity« folgende Anweisung:

Referees should consider the following circumstances when deciding whether to send off a player for denying a goal or an obvious goalscoring opportunity:

  • the distance between the offence and the goal
  • the likelihood of keeping or gaining control of the ball
  • the direction of the play
  • the location and number of defenders
  • the offence which denies an opponent an obvious goalscoring opportunity may be an offence that incurs a direct free kick or an indirect free kick

Die entscheidenden Passagen sind blau markiert. Man kann diesen Text folgendermaßen übersetzen:

Die Schiedsrichter sind angewiesen, beim Entscheid über einen Feldverweis für das Verhindern eines Tores oder das Vereiteln einer Torchance folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • das Vergehen, durch das eine klare Torchance vereitelt wird, kann ein Vergehen sein, dass einen direkten oder indirekten Freistoß nach sich zieht. (Übersetzung: R. Voss)

Der Regeltext im englischen Original bestätigt dabei eine Regelauslegung des DFB, die seinerzeit bei Einführung der neuen »Torraub-Regel« gegeben wurde: Damals wurde mit dem Begriff »Freistoß« im Zusammenhang mit einem »Torraub« bewusst nicht zwischen einem direkten und indirekten Freistoß unterschieden.

Auf alle Fälle zeigt der Blick in die »FIFA - Laws of the Game«: Auch bei Vergehen, die einen indirekten Freistoß nach sich ziehen, ist bei einem Torraub die rote Karte angebracht.

Damit wäre also hoffentlich der Beweis angetreten, dass gute Englischkenntnisse für die Schiedsrichter nicht zu unterschätzende Vorteile bieten. Es lohnt sich also auch hier zu pauken, pauken, pauken ...

Dass da natürlich auch die Fußballer nicht zurückstehen möchten, dafür bietet nun wieder Lothar Matthäus ein hervorragendes Beispiel: »Ich bin sicher, dass ich in vier oder sechs Wochen Interviews auf Englisch geben kann, die auch der Deutsche verstehen wird«.