Stress-Situationen für den Schiedsrichter (... und der Umgang damit)

Vorbemerkungen

Der Schiedsrichter genießt eine Machtfülle, die es im „normalen” Leben nicht gibt. Er ist Polizist, Staatsanwalt und Richter in einer Person: Als „Polizist” stellt er Vergehen (also Regelübertretungen) fest und bringt sie gewissermaßen zur Anzeige. Als „Staatsanwalt” erhebt er Anklage; als „Richter” spricht er das Urteil und vollzieht es auch sogleich. Die Spieler haben dabei keinerlei Möglichkeit der Verteidigung, zumindest nicht während des Spiels (was Spruchkammern hinterher entscheiden, ist eine andere Angelegenheit). Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich sind die Unparteiischen genauso Sportler wie die Spieler; natürlich ist das Verhältnis auf dem Platz und außerhalb in der Regel kollegial, manchmal sogar freundschaftlich. Ein Fußballspiel ist schließlich kein Gerichtsverfahren und erst recht kein Krieg. Dennoch verleihen seine Befugnisse dem Referee bei Spielen eine heraus ragende Stellung. Daher muss er nicht nur sehr behutsam mit seiner Macht umgehen, sondern auch mit den zahlreichen daraus resultierenden Problemsituationen klar kommen.

Als Schiedsrichter reagiert man grundsätzlich eigentlich nur auf Geschehnisse im Spiel und handelt nicht von sich aus: Geht der Ball ins Seitenaus, gibt es eben einen Einwurf; ein Foulspiel im Strafraum wird mit Strafstoß geahndet; ein grobes Foulspiel hat einen Feldverweis zur Folge. Dass die Spieler (aber auch die Trainer, die Verantwortlichen und die Zuschauer) nicht alles kommentarlos hinnehmen, was der Unparteiische entscheidet, ist jedoch logisch – ihre Interessen unterscheiden sich schließlich von denen des Spielleiters, der eben neutral zu sein hat und dessen Interesse es sein muss, ein Spiel möglichst ordentlich über die Bühne zu bringen. Neben guten Regelkenntnissen und einer nicht minder guten körperlichen Verfassung ist daher vor allem die Persönlichkeit des Schiedsrichters wichtig für die Spielleitung. Der Referee muss also auch geistig fit sein, mit Emotionen umgehen können, seine Spielräume kennen (in den Medien heißt das dann immer „Fingerspitzengefühl”, aber diese Formulierung trifft nicht den Kern der Sache) und Konfliktminimierung betreiben.