Stress-Situationen für den Schiedsrichter (... und der Umgang damit)

Spielertypen

In jeder Mannschaft finden sich die unterschiedlichsten Charaktere und Temperamente wieder. Obwohl alle Spieler gleich behandelt werden müssen, sind die Mittel für diese Gleichbehandlung recht verschieden. Nicht alle Akteure sind gleich gut ansprechbar, und die Reaktionen der Spieler auf Schiedsrichter-Entscheidungen fallen naturgemäß recht vielfältig aus. Der Unparteiische handelt insofern auch als eine Art Freizeit-Psychologe. Erfahrung und Menschenkenntnis werden ihm jedoch helfen, unterschiedlichen Spielertypen mit je angemessenen Mitteln zu begegnen.

Nachfolgend soll einmal eine Art Typologie bzw. Charakterisierung häufig anzutreffender Spielertypen versucht werden. Die Aufzählung und Einteilung erhebt natürlich weder den Anspruch auf Objektivität noch auf Vollständigkeit, kann aber vielleicht hilfreiche Hinweise geben.

  • Der Aufbrausende: Der aufbrausende Spieler reagiert emotional auf Gegenspieler und Schiedsrichter. Kennzeichen ist der spontane, bisweilen heftige und laute Protest gegen Schiedsrichter-Entscheidungen. Der Referee muss solche Spieler mäßigen und beruhigen. Es bringt nichts, solchen Spielern mit der gleichen Lautstärke zu begegnen. Wirken sachliche Ermahnungen nicht, bleibt allerdings nur die Verwarnung zur „Abkühlung”.

  • Das ewige Opfer: Manche Spieler fühlen sich über die volle Distanz eines Spiels vom Unparteiischen fortwährend benachteiligt und jammern in einer Tour. Diesen „ewigen Opfern” muss klar gemacht werden, dass sie das Lamentieren und Reklamieren zu unterlassen haben. Nicht zu verwechseln ist diese Sorte Spieler übrigens natürlich mit den Akteuren, die erkennbar häufig gefoult werden und denen es irgendwann einmal „reicht”.

  • Die Klette: Wer kennt sie nicht, die Spieler, die sich bemüßigt fühlen, nahezu jede Entscheidung des Schiedsrichters zu kritisieren? Stets befinden sie sich in der Nähe des Spielleiters und bekritteln fast alles. Sie werden dabei in der Regel zwar nicht beleidigend, nerven aber. Diesen Akteuren muss beizeiten verdeutlicht werden, dass sie nicht das Recht haben, permanent das Tun des Referees zu kommentieren. Auch wiederholtes Protestieren verstößt nämlich gegen die Regeln und ist – wenn das Maß voll ist – verwarnungswürdig.

  • Der Verständnisvolle: Mit Vorsicht sind Spieler zu genießen, die sich zunächst als „Freund des Schiedsrichters” zu erkennen geben und auffällig oft Entscheidungen des Unparteiischen loben. Bei nicht wenigen kommt nämlich irgendwann ein Spruch wie: „Schiri, bis jetzt haben Sie ja gut gepfiffen, aber das war gerade total falsch.” Diese Form der Kritik ist unterschwelliger als das lautstarke Protestieren, jedoch nicht weniger gefährlich – der Schiedsrichter kann verunsichert werden. Er darf sich deshalb nicht von vermeintlichen Komplimenten schmeicheln oder einlullen lassen, denn das nimmt ihm im Ernstfall die Möglichkeit, auch solchen Spielern einmal ein deutliches Wort zu sagen.

  • Der Leithammel: In allen Mannschaften gibt es Spieler, die auf dem Platz erkennbar den Ton angeben. Das kann der Spielführer sein, muss es aber nicht zwingend. Diese Spieler prägen und beeinflussen ihr eigenes Team, aber auch wesentlich den Spielverlauf. Der Unparteiische muss solche „Leithammel” erkennen. Sie können ihm das Spiel erschweren, bei Konflikten jedoch auch hilfreich für ihn sein. Es ist eine reizvolle und notwendige Aufgabe für den Schiedsrichter, mit den Führungspersönlichkeiten der Mannschaften klar zu kommen und sie positiv zu beeinflussen. Hat er sie „im Griff”, wird auch die Akzeptanz bei den übrigen Spielern steigen. Im Idealfall lassen sich durch gezieltes Ansprechen Konflikte und persönliche Strafen reduzieren.